Ausflüge in die Niederlande

Zum Glück wohnen wir nah an der Grenze zu den Niederlanden und können schon in wenigen Autominuten in einem anderen Land sein. Selbst bis zur Küste sind es nur ca. 2 1/2 Stunden.

Wenn wir Städtereisen mit dem Auto unternehmen, geben wir als Ziel immer einen Stadtpark an. Dort sind meistens günstige oder sogar kostenlose Parkplätze vorhanden und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in kleinen Städten fußläufig zu erreichen. Auch starten wir gern mit einem kleinen Picknick, das wir im Park halten und verstauen die dafür nötigen Utensilien anschließenden wieder im Auto.

Auf den folgenden Seiten berichte ich über Overloon, Bronkhorst, Deventer, Utrecht, Eindhoven, Maastricht und Nijmwegen.

Overloon

Overloon ist ein Dorf, in dem im zweiten Weltkrieg eine der größten Panzerschlachten stattfand. Infolgedessen wurde das Dorf nahezu vollständig zerstört. Unmittelbar nach dem Krieg wurde auf dem Schlachtfeld ein Kriegsmuseum das Oorlogsmuseum Overloon gegründet. Museen sind eine meiner Leidenschaften, aber in diese Art von Museen gehe ich in erster Linie meinem Mann zuliebe.

„Krieg gehört ins Museum“, so lautet die Headline der Homepage und so steht es auch in großen Lettern am Eingang. Die Homepage des Oorlogsmuseum Overloon ist sehr gut aufgebaut. Dort finden sich alle Informationen, zum Teil als kurze Filmbeiträge, um sich auf den Besuch vorzubereiten. Durch die Grenznähe ist auch alles auf Deutsch übersetzt.

Das Museum präsentiert zum einen durch eine riesige Exponatenauswahl die Geschehnisse des 2. Weltkriegs, lädt aber auch durch Audio- und Filmbeiträge sowie durch interaktive Angebote ein, sich aktiv mit Geschichte auseinanderzusetzen. Das hat mich viel mehr interessiert, als mir die Fahrzeuge, Waffen und Munition anzusehen. Mein Mann allerdings fand die Fahrzeughalle grandios.

Selbst mit Kindern kann man Stunden im Museum verbringen. Es gibt eine Rallye für Kids und viele handlungsorientierte Stationen, um etwas auszuprobieren und anfassen zu können. Es ist u.a. ausgezeichnet als „Kids-Proof-Museum“. Die niederländische Museumsvereinigung vergibt nach gewissen Kriterien jährlich dieses Zertifikat an Museen. Als unsere Kinder klein waren, waren sie unserem Gefühl nach in Museen in Deutschland oft nicht willkommen. Andere Länder waren uns damals sehr voraus, was Kinderfreundlichkeit anbetrifft. Hat sich das inzwischen in Deutschland geändert? Ich werde in Zukunft darauf achten. Ein Besuch im Zoo Overloon lohnt sich sicher, wenn man Tierparks mag. Dafür sollte aber aus Zeitgründen ein anderer Tag genutzt werden.

Im Museum gibt es ein Museumscafé, das zum Stil passt. Man fühlt sich vom Ambiente her in die 1940-er Jahre zurückversetzt. Es gibt verschiedene Getränke und kalte sowie warme Speisen. Wie gewohnt, war auch das niederländische Personal sehr freundlich.

Hier sind einige Fotos aus dem Museumsgebäude:

Ein Exponat hat mich besonders beeindruckt. Aus den Überresten einer im 2. Weltkrieg abgeschossenen Maschine wurde ein Mahnmal errichtet. Die Besatzungsmitglieder kamen alle ums Leben und das Lesen ihrer Biografien und die Betrachtung der gefundenen persönlichen Gegenstände, machen für einen kurzen Moment sprachlos.

Erst 2015 wurden die Überreste der Lancaster geborgen und nach und nach zusammengetragen. Wie ein noch unvollständiges Puzzle liegt sie dort. Über eine interaktive Funktion kann der Bomber zum Leben erweckt werden und fliegt durch die Museumshalle.

Das Museumsgebäude steht auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Overloon. Das Gelände ist weitläufig. Es gibt befestigte und unbefestigte Wege für einen Spaziergang sowie einen großen Kinderspielplatz. Exponate, Skulpturen und Informationstafeln erinnern an das Grauen, das sich hier zugetragen hat. Das ein oder andere Mal ist mir an dem Tag ein Schauer über den Rücken gelaufen und es ist unvorstellbar, dass auch heute noch Kriege geführt werden – nicht nur weltweit, sondern auch in Europa.

Ein-Mann-Bunker

In der Nähe des Museum befindet sich ein britischer Soldatenfriedhof. An dem Tag haben wir es nicht geschafft, ihn zu besuchen, holen das aber nach.

Bronkhorst und Deventer

Bronkhorst ist die kleinste Stadt der Niederlande. Sie liegt in der Nähe der IJsell und ist ein malerischer Ort, in dem optisch die Zeit seit Jahrhunderten still steht. Eigentlich wollten wir ins Charles Dickens Museum, aber wir haben es schlichtweg nicht gefunden, was in einem 150 Einwohnerort schon etwas heißt :-). Es lohnt sich dennoch dort Halt zu machen. Es gibt unglaublich schöne Häuser und Gärten anzusehen. Einige Kunstateliers und Cafés sind vorhanden. Rundherum sind wahnsinnig schöne Landschaften vorhanden. Man kann sich nicht satt sehen an diesem traumhaft schönen Ort.

Von Bronkhorst aus sind wir weiter nach Deventer gefahren. Deventer liegt direkt an der IJssel. Gestartet sind wir wieder an einem Park – am Worpplantsoen, dem ältesten Stadtpark der Niederlande. Mit der Fähre ging es über den Fluss in die Altstadt. Die Hin-und Rückfahrt kostet gerade einmal 1,70€. Die Innenstadt ist in acht Quartiere unterteilt, wovon jedes seinen eigenen Charme hat. Wer sich für Kirchen und Sehenswürdigkeiten interessiert, wer gerne besondere Dinge einkauft oder es liebt, stundenlang in Cafés oder auf Sonnenterrassen zu sitzen, kommt in Deventer voll und ganz auf seine Kosten. Die auch aus anderen Städte bekannten bunten Regenschirme, die viele der Gassen in der Altstadt „überschatten“, muss man unbedingt gesehen haben und das Tanzen dieser im Wind auf sich wirken lassen.

Utrecht

Grachtenflair

Utrecht würde ich als Klein-Amsterdam in viel schöner bezeichnen. Klar, nach Amsterdam fahre ich auch gerne, aber es ist mir leider einfach viel zu voll, viel zu überlaufen. Utrecht dagegen bietet genauso das Grachtenflair und wesentlich weniger Menschenmassen.

Unser erstes Ziel war der Park Lepelenburg, von dem aus sich ein Grüngürtel rund um die Altstadt mit den wunderschönen Häusern und Grachten erstreckt. So wie der Park auch beschrieben wurde, haben wir ihn erlebt: Als öffentlicher Garten, in dem Menschen zusammenkommen und das Leben genießen. Wir waren live bei einem Kindergeburtstag dabei.

Wenige Schritte sind es bis zu den Utrechter Grachten. An diesen, an den Brücken und den wunderschönen Häusern konnten wir uns nicht sattsehen. Die sogenannten Werftkeller kannte ich vorher nicht. Ursprünglich dienten sie als Lagerräume, heute werden sie als Wohnräume, Gaststätten, Ateliers, Museen und sogar als Theater genutzt. Sie haben meist keine Verbindung zu den Häusern, die oberhalb der Grachten an der Straße liegen. Wohl aber wird ein Teil des Regenwassers über die sogenannten Rotznasen in die Grachten geleitet.

Rotznasen deshalb, weil ständig Wassertropfen aus den Rohren laufen und sich an dem Grünspan glibberige Fäden bilden. Jede Straßenlaterne, die an einer Werft liegt, ist an ihrem unteren Ende mit einer stuckartigen Darstellung verziert. Jede Verzierung ist individuell.

Das Mittelschiff des Utrechter Doms stürzte vor einigen Jahrhunderten aufgrund eines Sturms ein und wurde nie wieder aufgebaut. Aus diesem Grund ist der Domturm vom restlichen Domgebäude getrennt. Er ist der höchste Kirchturm der Niederlande. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war er wegen Bauarbeiten eingerüstet und nicht zu sehen. Die Seitenflügel des Doms sind imposant und lassen mich, wie die meisten Kirchen, immer wieder erstaunen, zu welchen Kräften Menschen fähig waren, ohne Baumaschinen, wie es sie heute gibt, solche Gebäude zu bauen.

Natürlich haben wir eine Grachtenfahrt gemacht und sind anschließend den ganzen Weg entlang der Grachten und Kanäle auch noch zu Fuß gegangen. Und das nicht nur, um den schwimmenden Coffeshop, das sogenannte Culture Boat, zu sehen. Wie ich oben schon sagte, konnten wir uns an der Architektur und der Natur nicht sattsehen. Warum sehr ihr hier selbst:

Utrecht, wir kommen bestimmt wieder – du wunderschöne Stadt. Eine Stadt, in der einem das Leben leichter vorkommt und die ganzen gegenwärtigen Geschehen für kurze Zeit vergessen werden können. Für uns ist es ein unvergesslicher Tag, dessen Leichtigkeit uns durch die folgende Woche trug. Und daran war nicht das Culture Boat schuld ;-).

Im Mai 2023 waren wir wieder in Utrecht. Diesmal haben wir unseren Besuch mit einem Nena-Konzert und zwei Übernachtungen verbunden. Im Tivoli Vredenburg fand das Konzert statt. Seit 1982 höre ich immer wieder mal Nena, habe sie aber live noch nie vorher gesehen. Man kann sagen, dass ich textsicher war 😉 und mit 63 will ich auf jeden Fall auch so fit sein und jung aussehen.

Neu war für uns auch, die Stadt über eine Kanufahrt in den Grachten zu erkunden. Der Kanoverhuur ist sehr zu empfehlen. Preis, Leistung und Service stimmen. Verfahren kann man sich nicht, aber schon länger unterwegs sein, als geplant. So war es zumindest bei uns :-). Hier ein paar Impressionen zu Utrecht aus Grachtenperspektive.

Ist diese Stadt nicht wunderschön? Ich liebe die Niederlande und bin so dankbar, ganz nah an der Grenze zu wohnen. Bald startet an der VHS mein erster NL-Sprachkurs. Ich bin gespannt!

Eindhoven

Street Art ist an vielen Ecken zu finden.

Gestartet sind wir diesmal im Freilichtmuseum „Prehistorisch Dorp„. Hier gibt es nicht nur jede Menge zu sehen, sondern es gibt einiges, was man ausprobieren kann: Kerzen gießen, Stockbrot backen, Einbaum fahren, Bogenschießen etc.. Wir waren in Deutschland schon in einigen Freilichtmuseen, aber diese Freundlichkeit und Lebendigkeit hier im Prehistorisch Dorp und dass man so viel selbst ausprobieren darf, ist selbst für Erwachsene etwas ganz Besonderes.

Anschließend sind wir in die Innenstadt von Eindhoven (Fußmarsch etwa 25 Minuten) gegangen und haben das Auto am Freilichtmuseum stehengelassen. Dort parkte es umsonst. Die City selbst ist nicht attraktiv, aber es gab dennoch das ein oder andere schöne Gebäude zu sehen. Im Großen und Ganzen war es ein Mix zwischen alt und modern.

Große Teile der Stadt wurden im 2. Weltkrieg zerstört. Ein Ziel war dabei das Philips Werk. Heute gibt es an der Stelle der einstigen Zentrale das Philips Museum. Die Geschichte eines Familienunternehmens, das Glühbirnen fertigte, bis hin zu einem Weltkonzern, der in Unterhaltung, im Beautybereich und in der Medizin Produkte entwickelt, ist beeindruckend. Der Pioniergeist und das soziale Engagement der Gründungsfamilie ist auch für heutige Verhältnisse besonders. Die Mitarbeiter/ innen bekamen faire Löhne, Wohnraum, eine Krankenversicherung und Ruhegelder. Sportliche Aktivitäten wurden gefördert und zahlreiche Sportvereine gegründet. Die meisten davon sind auch heute noch erfolgreich und werden von Philips gesponsert. So ist der PSV Eindhoven sicher der erfolgreichste Verein. Das „P“ steht übrigens für Philips. Zahlreiche Exponate von Retro bis Futuristisch sind anzusehen. Auch für nicht Technikbegeisterte lohnt sich der Besuch auf jeden Fall.

Maastricht

Ein Eingang zur Universität

Maastricht ist nicht nur Tourismus- sondern auch spürbar Universitätsstadt und besonders beliebt bei deutschen Studierenden. Universitätsgebäude liegen in der Innenstadt und überall sind junge Menschen zu sehen, die in Gruppen oder allein lesend oder erzählend den Stadtpark bevölkern, an dem wir gestartet sind. Im Park gibt es die sogenannte Bärengrube, in der bis vor einigen Jahrzehnten echte Bären ihr Dasein fristeten. Heute wird der Raum als Freilandkunstaustellungsfläche genutzt. Aus meiner Sicht ist ist es auch ein Mahnmal dafür stets zu überdenken, ob Tiere von Menschen gehalten werden sollten und ob Käfighaltungen nicht grundsätzlich auszuschließen sind. Meine Meinung dazu deckt sich zu fast 100% mit den Ansichten von Peta.

Ehemaliges Bärengehege bietet heute Raum für Kunst.

Durch die Stadt fließt die Maas und trennt die Altstadt von der Neustadt. Ein Abstecher zur Neustadt lohnt sich als meiner Sicht nur, um die wunderschöne Altstadtkulisse von Maastricht auf sich wirken lassen zu können. Beim Spaziergang durch die Altstadt kann man diese gut auf sich wirken lassen, wenn nicht zu viele Menschen unterwegs sind.

Am Rande von Maastricht befindet sich der Sint Pietersberg. Dabei handelt es sich um ein Hochplateau unter dem sich riesige Kalksteingruben befinden. Der Sint Pietersberg ist ein Naturschutzgebiet. Ein wenig merkwürdig schaut es aus, dass sich am Rande eine Zementfabrik befindet. Unter https://youtu.be/Mpz6AJZgG8o findet ihr ein Minifilmchen. Bis zu meinem Besuch in Maastricht bin ich immer davon ausgegangen, dass die gesamte Niederlande aus Flachland besteht. Reisen bildet 🙂 – wieder etwas gelernt. Ein ausgiebiger Spaziergang lohnt sich absolut.

An einer Seite des Sint Pietersberg befindet das Fort Sint Pieter. Von dort aus hat man eine wunderschöne Aussicht auf Maastricht. I like!

Nijmwegen

Unsere Tour begann am Kronenburgerpark , in dem an dem Tag ein Citylauf stattfand und dementsprechend voll war. Als Orientierung für unsere Tour haben wir den Walk of the town, der auch für Menschen mit einer körperlichen Behinderung zu bewältigen ist, genutzt. Ein grüner Streifen auf dem Boden führt an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Nijmwegen vorbei.

Vom Kronenburgerpark aus sind wir über die Waalkade, der Promenade, die an der Waal vorbeiführt, zum Stadswaard.

Stadswaard ist ein Naturschutzgebiet, das frei zugänglich ist, wofür aber keine Werbung gemacht wird. In diesem Naturschutzgebiet leben wilde Rinder und Pferde, wie es sie in einigen anderen Nationalparks in den Niederlanden ebenfalls gibt.

Die Niederlande haben 21 Nationalparks und 20 Nationallandschaften zu bieten. Mehr erfahrt ihr auf dieser Seite: https://www.holland.com/de/tourist/aktivitaten/naturgebiete.htm

Vom Naturschutzgebiet ist die Altstadt fußläufig zu erreichen. Hier sind einige Impressionen:

Ursprünglich wollten wir noch ins Muzieum, in dem im Mittelpunkt steht, sich selbst als Mensch mit Sehverlust erleben zu können. Zu verschiedenen Themen finden Führungen von Menschen, die blind sind, statt. Leider hat es zeitlich nicht gepasst, aber das wird nachgeholt

Neben den großen Einkaufsketten, die sich von ihrer Optik gut in das mittelalterliche Stadtbild einfinden, gibt es zahlreiche inhabergeführte Lädchen. Die Bereiche vor den Läden und der Gastronomie, die Wege und Häuserfronten sind meist liebevoll und individuell gestaltet. Da kann ich mir immer einige Deko- und Kreativideen abschauen.

Wie es für die Niederlande typisch ist, gibt es unzählige Restaurants, Kneipen und Cafés. Da wir es lieber einfach mögen, gab es an dem Tag eine Pommes auf die Hand. Das lieben wir und muss bei fast jedem Hollandbesuch dabei sein.

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